RLB Atelier Lienz präsentiert Stephanie Stern mit Polyphone Verschiebungen Sterns Fotoarbeiten basieren auf kunstvoll arrangierten Objektkompositionen ihre Assemblagen erinnern an die Notation polyphoner Musk die gebürtige Imsterin ist aktuelle Förderpreisträgerin des RLB Kunstpreises   Mit der Ausstellung "Polyphone Verschiebungen" präsentiert Stephanie Stern eine Reihe neuer Fotoarbeiten, die auf kunstvoll arrangierten Objektkompositionen basieren. In diesen Assemblagen entstehen überraschende Strukturen, die an symbolische Zeichen und Muster, digitale Systeme oder Musiknotationen erinnern. Ähnlich wie in der polyphonen Musik, in der autonome Melodien miteinander verwoben sind, wird hier das Zusammenspiel von Formen und Materialität neu interpretiert, um auf unkonventionelle Weise verschiedene Themen anzustoßen. Die Ausstellung ist vom 30. September bis 27. November im RLB Atelier in Lienz zu sehen.  „Stephanie Sterns Interessensgebiet ist breit gefächert und erstreckt sich von der Erforschung der Materialität und Textur von Objekten über das Alltagsleben und Kulturgeschichte bis hin zu Algen und den neuesten Halbleitertechnologien“, schreibt Bettina Spörr, Kuratorin der Secession Wien, in ihrem Katalogbeitrag. Die 1986 in Imst geborene und seit langem in Wien ansässige Künstlerin nutzt als zentrales Ausdrucksmittel sowohl die analoge als auch die digitale Fotografie, mit der sie in sich ruhende Kompositionen von poetisch-rätselhafter Ausstrahlung schafft. Stern, die in diesem Jahr mit einem der beiden Förderpreise des RLB Kunstpreises ausgezeichnet wurde, bezeichnet ihre fotografischen Kompositionen als Assemblagen – Zusammenstellungen, die vorwiegend Alltagsgegenstände und Nahrung/Essen in den Mittelpunkt rücken. In einem mehrstufigen Prozess fotografiert sie diese Objekte und transformiert sie in zweidimensionale Abbildungen. Dadurch schafft sie ein visuelles Vokabular, das zuvor unvereinbare Elemente auf einer Bildebene in einen anregenden Dialog bringt. Die Künstlerin entwickelt ihre Kompositionen meist stufenweise: Sie fotografiert ihre Assemblagen und integriert diese Aufnahmen wiederum in neue Arrangements. Diese Bild-im-Bild-Technik, häufig verbunden mit extremer Verkleinerung, führt zu verdichteten, zunehmend komplexeren Bildstrukturen, wie beispielsweise die zehnteilige Serie Yeux (2024) zeigt: Ausgehend von der ursprünglichen Komposition einer schwarzen Olive in Gläsern entfaltet sich durch schrittweise Verkleinerung und Neuanordnung eine visuelle Progression, in der sich das Motiv zugunsten von Rhythmus, Zahlenverhältnissen und ornamentalen Mustern allmählich auflöst. „Muster sind für mich Ausdruck tieferer Prozesse und Strukturen, die sowohl in der Natur als auch in der menschlichen Kultur existieren. Ich sehe sie nicht nur als dekorative Elemente, sondern als Schlüssel zum Verständnis unserer Welt. Mein Interesse gilt besonders dem Zusammenhang zwischen äußerer Form und den inneren Mechanismen, die diese hervorbringen. […] Meine Arbeit mit Mustern ist letztlich eine Reflexion darüber, wie wir von ihnen geprägt werden, oft ohne sie bewusst zu erkennen“, so Stephanie Stern im Interview für den die Ausstellung begleitenden Katalog. Beim künstlerischen Arbeitsprozess ist Musik für Stephanie Stern eine wichtige Begleiterin, die ihre Arbeitsweise auf einer intuitiven Ebene beeinflusst. „Der Rhythmus, Klang und die Struktur der Musik rufen in mir spontane visuelle Assoziationen hervor, die meine Wahrnehmung erweitern und als Katalysator für Transformationen in meinen künstlerischen Prozessen wirken. […] So spiegelt sich die Idee der Polyphonie, also des Zusammenklangs verschiedener Stimmen und Elemente, sowohl in meinen visuellen Arbeiten als auch im Ausstellungstitel wider“, erläutert die Künstlerin. Neben der Fotografie ist in den Arbeiten von Stephanie Stern die Zeichnung ein immer wiederkehrendes Element, das sie auch in ihre Assemblagen miteinbindet. Dabei zielt Stern nicht auf die Darstellung konkreter Formen ab, sondern nutzt die Zeichnung als Ausdrucksmittel für innere Zustände, Bewegung und Intuition. Für die Künstlerin stellt das Zeichnen „eine unmittelbare Form des Denkens“ dar, die, wie sie selbst betont, „stark beeinflusst von der Erinnerung an das Schreiben“ ist. In ihren neuesten, für die Ausstellung realisierten Arbeiten setzt sich Stern unter anderem mit Algen auseinander und greift damit, so Bettina Spörr, „sowohl den kulturellen Themenkreis des Essens auf, lässt aber auch an die aktuellen Debatten zur Welternährung und die großen Hoffnungen denken, die Forscher:innen derzeit aufgrund der enormen Kapazitäten als CO2-Speichermedium in Algen legen. In der Ausstellung Polyphone Verschiebungen präsentiert Stephanie Stern nicht nur Algen in verschiedenen Zuständen und Realitätsebenen – als Fotografien und Objekte –, sondern demonstriert auch die Vielseitigkeit ihres konzeptionellen Ansatzes. Mit großer Sorgfalt macht sie Strukturen und Beziehungen sichtbar und zeigt ihre Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge durch ihre Kunst erfahrbar zu machen.“ Eröffnung Freitag, 27. September 2024, 19.00 Uhr, RLB Atelier, Johannesplatz 4, Lienz Laufzeit und Öffnungszeiten 30. September bis 27. November 2024 Montag bis Freitag von 8.30 bis 12.15 Uhr und von 14.00 bis 16.30 Uhr Vertiefende Dialogführung in Kooperation mit dem Bildungshaus Osttirol Dienstag, 22. Oktober 2024, 18.30 Uhr: Kunst in Kürze mit Evelin Gander. Anschließend Aperitif. Katalog Zur Ausstellung erscheint ein 64-seitiger gleichnamiger Katalog mit einem Beitrag von Bettina Spörr sowie einem Interview mit Stephanie Stern, geführt von Silvia Höller. Der Katalog ist kostenlos vor Ort erhältlich.