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Vom zaghaften Aufschwung zur Vollbremsung 06.10.2026

  • Raiffeisen Research: BIP-Wachstum von 1 % für Österreich 2027
  • Nach leichtem Aufschwung 2025 heuer bisher kaum Wachstum
  • Leitzinsen dürften weiter steigen, Kapitalmarktzinsen bleiben hoch
v.l.n.r.: Thomas Wass (Vorstand RLB Tirol), Max Kloger (Präsident Industriellenvereinigung Tirol), Gunter Deuber (Chefökonom Raiffeisen Research) und Stefan Haigner (Gsellschaft für angewandte Wirtschaftsforschung)

Die Industriellenvereinigung und die Raiffeisen-Landesbank Tirol AG luden in Innsbruck zum Wirtschaftsausblick auf das kommende Jahr. Die österreichische Wirtschaft ist im ersten Halbjahr 2026 kaum gewachsen. Gestiegene Energiepreise, Zinsen und Unsicherheit treffen zwar alle Länder in Europa, gebremst wurde die Konjunktur aber fast nirgends stärker als in Österreich. „Während die Euro-Wirtschaft die Fahrtgeschwindigkeit trotz Gegenwinds halten konnte (+0,7 %, Q2 26 ggü. Q4 25), hat die heimische Konjunktur eine Vollbremsung hingelegt (+0,1 %)“, sagt Chefökonom Mag. Gunter Deuber von Raiffeisen Research bei den heutigen „Wirtschaftsprognosen 2027“.
 

Der im Vorjahr begonnene und hart erarbeitete Industrieaufschwung hat sich verlangsamt, die Rezession in der Bauwirtschaft geht heuer in das 8. Jahr, die Dienstleistungsschwäche bleibt ein wesentliches Merkmal der jüngeren konjunkturellen Vergangenheit. Zwar hat sich die Stimmungslage der Unternehmen in den letzten Monaten gebessert – das zweite Halbjahr sollte daher besser ausfallen als das erste –, allerdings nehmen derzeit die Risiken in Bezug auf die bisherige Resilienz der Euro-Wirtschaft gegenüber den Energiepreisanstiegen zu.

Österreich hinkt der Eurozone hinterher

Im Gesamtjahr wird Österreich heuer nur um 0,7 Prozent wachsen. Zwar dürfte das konjunkturelle Tempo 2027 und 2028 mit etwa einem Prozent höher ausfallen als 2026, damit würde Österreichs Wirtschaft aber immer noch langsamer expandieren als die gesamte Eurozone (etwa 1,5 %) und auch Deutschland. Unser Nachbar scheint sich langsam aus der industriellen Dauerkrise herauszuarbeiten, der Wachstumsrückstand Österreichs auch gegenüber Deutschland könnte sich vergrößern. Für Tirol erwarten wir 2027 ein reales Wirtschaftswachstum von rund 1 Prozent. Besonders die Industrie dürfte mit rund 2 Prozent wieder deutlich stärker wachsen.


Kein Rückenwind von Europas Geldpolitik

Die gesunkene Profitabilität heimischer Unternehmen dämpft den langfristigen Investitionsausblick und damit die Aussicht, ein höheres Produktivitätswachstum zu erzielen. Auch von den Kredit- und Finanzierungskonditionen ist kaum Rückenwind für die Investitionen zu erwarten. Zur Verhinderung von Zweitrundeneffekten bei der Inflation und einer (Kern-)Inflation erkennbar über den EZB-Zielwerten in den Jahren 2026 und 2027 dürfte die EZB die Leitzinsen in den kommenden Monaten wohl noch zweimal anheben. Während nachlassende Inflationsraten der EZB gegen Ende 2027 die Möglichkeit geben könnten, die Leitzinsen zu senken, dürften Sorgen um die Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen in den USA und Europa (v. a. Frankreich) Rückgänge bei langfristigen Kapitalmarktzinsen stark eingrenzen. De facto könnte die Geldpolitik der EZB wieder zu restriktiv für Österreich wirken. Das gilt auch für Tirol: „Die letzten Zinsänderungen bremsen das Tiroler Wirtschaftswachstum auch noch 2027“, prognostiziert Dr. Stefan Haigner von der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung.

 

Ohne nachhaltige Reformen keine Wettbewerbsfähigkeit

Umso drängender sind nachhaltige Reformen zur Verbesserung der Investitions- und Wettbewerbsbedingungen hierzulande. Die in den letzten Jahren deutlich schneller gestiegenen Lohnstückkosten (ggü. der Eurozone) haben die preisliche Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Firmen verringert und sollten das Exportwachstum bremsen. Gleichzeitig nehmen Protektionismus und Handelshemmnisse weltweit deutlich zu. Für eine exportorientierte Region wie Tirol bleibt das außenwirtschaftliche Umfeld damit ein wesentlicher Risikofaktor. Die für 2027 und 2028 unterstellte moderate Konjunkturbelebung dürfte daher in geringerem Maße investitions- und exportgetrieben sein als frühere Aufschwungphasen.

 

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