16. März 2015
RLB Atelier zeigt Ausstellung ENTREISSUNGEN

  • Ausstellung der Paul-Flora-Preisträgerin Gabriela Oberkofler
  • Ländlicher Kulturraum im Fokus
  • Die vom Menschen geformete Natur steht im Vordergrund.

LIENZ. Der ländliche Kulturraum, von der Tierwelt über die Industrialisierung der Landwirtschaft, steht im Zentrum der Ausstellung „ENTREISSUNGEN“ der gebürtigen Südtiroler Künstlerin Gabriela Oberkofler (RLB Atelier in der Bankstelle Lienz der RLB Tirol AG, 16. März bis 22. Mai 2015).

Das Ausstellungsprogramm des RLB Ateliers stellt seit seiner Neuausrichtung im Jahr 2013 neben der Sommerausstellung, die unterschiedliche Einblicke in die Sammlung der Raiffeisen-Landesbank Tirol gewährt, die jüngere Tiroler Künstlergeneration in den Mittelpunkt. In diesem Zusammenhang präsentieren wir heuer erstmals eine Südtiroler Künstlerin. Gabriela Oberkofler wurde 1975 in Bozen geboren und lebt seit mehreren Jahren in Stuttgart. Sie erhielt im vergangenen Jahr den Paul-Flora-Preis. Diese Auszeichnung verleihen jedes Jahr das Bundesland Tirol und das Land Südtirol gemeinsam.

Gabriela Oberkofler ist in Jenesien, einem Dorf oberhalb von Bozen, aufgewachsen. Ihr künstlerisches Schaffen ist stark von ihrer Herkunft geprägt. Erzählungen und Ereignisse ihres Dorfes spielen besonders in ihren früheren Arbeiten eine wichtige Rolle. So beziehen sich die beiden Porträts in der Ausstellung „Bauer mit seiner Frau vom Kreuzwegerhof in Jenesien“ (2011) auf den Identitätstausch ihres kräftigen Großonkels mit seinem eher schwächlichen Bruder. Zur Erhaltung des Hofes verzichtete der Erstgeborene auf das Hoferbrecht und zog anstelle seines Bruders in den Krieg. Das historische Foto von „Jenesien 1939“ mit der kleinen Zeichnung „Trauerkränze“ hingegen erinnert an die Option in Südtirol, als viele aufgrund des Hitler-Mussolini-Abkommens von 1939 ihre Heimat verließen. In ihrer Auseinandersetzung mit Kulturraum reflektiert Oberkofler auch immer wieder Fragen unserer kulturellen Identität.

Bezeichnend für ihre Herangehensweise ist das Herauslösen von Motiven aus ihrem gewohnten Kontext. Damit fokussiert sie den Blick des Betrachters und schafft assoziative Denkräume. In diesem Sinne sind auch die äußerst subtilen Zeichnungen der Serie „Monokulturen“ zu sehen, die bei einem Stipendienaufenthalt in Frankreich entstanden sind. Sie zeigen kleine Ausschnitte dicht gebündelter Pflanzenansammlungen von Weizen, Hyazinthen oder Sonnenblumen, die der Landschaft wie entrissen erscheinen. Isolierte, in ihrer Miniaturhaftigkeit fast surreal anmutende Naturausschnitte, die – wie der Titel verrät – auf Anbauweisen einer effizienten Wirtschaftlichkeit anspielen. Nicht die unberührte Natur, sondern die vom Menschen geformte Natur steht bei Oberkofler im Vordergrund.

Filigrane Linien und Punkte verdichten sich in ihren Zeichnungen und treten in Dialog mit ausgedehnten weißen Flächen, wie auch die großformatigen Arbeiten der gepressten Heuballen oder des Schafes mit „eingebranntem Zaun“ zeigen. Tiere sind allgemein ein immer wiederkehrendes Motiv. Gefangene, verletzte oder tote Tiere, Zäune und Käfige werden zu vielschichtigen Metaphern unserer zunehmenden Naturentfremdung.

„In meinen Arbeiten führt das Tier zwangsläufig zum Menschen und steht als Sinnbild für die Beziehung zwischen Mensch und Tier. Die Geschichte unserer Zivilisation ist eng mit Tieren verbunden, nicht nur als Nahrungslieferant. Reit-, Zug-, Last- und Zuchttiere haben wesentlich zu landwirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen beigetragen. … Der Mensch hat sich das Tier zum Untertan gemacht, aber das Verhältnis von Mensch und Tier war immer auch geprägt von Abhängigkeit. … Doch noch nie wurden Tiere so grausam und respektlos behandelt wie heute, man denke nur an die massenhafte Fleischproduktion, die unter unwürdigen Verhältnissen immer neue Rekorde erreicht“, so Gabriela Oberkofler.

 

Zur Ausstellung erscheint der gleichnamige Katalog mit einem Textbeitrag der Kuratorin der Städtischen Galerie Karlsruhe, Melanie Ardjah, und einem Interview mit Gabriela Oberkofler, geführt von Silvia Höller (64 Seiten).


Eröffnung / Öffnungszeiten
Die Ausstellung „Gabriela Oberkofler. ENTREISSUNGEN“ wird am Freitag, 13. März um 19.00 Uhr im RLB Atelier Lienz, Johannesplatz 4, eröffnet und ist ab 16. März bis 22. Mai 2015 immer Mo–Do (8.30–12.15 Uhr und 14.00–16.30 Uhr), Fr (8.30–16.30 Uhr) zugänglich.
 

Folgende Dateien stehen zum Download zur Verfügung:

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    Entreissungen 4

    Gabriela Oberkofler, Traubenhyazinthen, 2013, Filzstift auf Papier, 20 × 30 cm, aus der Serie Monokulturen, 2013

    Größe In Pixel: 3000 x 2103
    Dateigröße: 1,1 MB
    Copyright: Raiffeisen
    Fotograf(In): Gabriela Oberkofler

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    Entreissungen 3

    Gabriela Oberkofler, Rapsfeld, 2013, Filzstift auf Papier, 20 × 30 cm, aus der Serie Monokulturen, 2013

    Größe In Pixel: 3000 x 2115
    Dateigröße: 1,1 MB
    Copyright: Raiffeisen
    Fotograf(In): Gabriela Oberkofler

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    Entreissungen 2

    Gabriela Oberkofler, ENTREISSUNGEN, Installationsansicht, RLB Atelier Lienz, 2015,
    Heuballen, 2014 | Tusche auf Papier | 114 × 300 cm
    Schaf, 2014 | Aquarell auf Papier | 220 × 114 cm
    Schafsbeine, 2015 | Lindenholz geschnitzt

    Größe In Pixel: 2000 x 1310
    Dateigröße: 796,8 kB
    Copyright: Raiffeisen
    Fotograf(In): Martin Lugger

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    Entreissungen 1

    Gabriela Oberkofler, ENTREISSUNGEN, Installationsansicht, RLB Atelier Lienz, 2015

    Größe In Pixel: 2000 x 1333
    Dateigröße: 832,5 kB
    Copyright: Raiffeisen
    Fotograf(In): Martin Lugger

 

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